St. Michael – EIN Zugang für alle
Baukultur Hohenlohe-Tauberfranken Auszeichnungsverfahren 2023
Zur Schaffung eines barrierefreien und rollstuhlgerechten Zugangs auf der Südseite von St. Michael, der Hauptkirche und das Wahrzeichen der Stadt Schwäbisch Hall, lobte die evangelischen Gesamtkirchengemeinde einen Ideenwettbewerb unter 10 Architekturbüros aus.
Der ursprüngliche Haupteingang sollte wiederbelebt und in seiner Bedeutung gestärkt werden. Durch die Möglichkeit des barrierefreien Heranfahrens, durch ein Blindenleitsystem und großzügige Stufen sollte ein Eingang, der sich zu allen Seiten hin öffnet. Ein Zugang für alle geschaffen werden: Gottesdienstbesucher, Touristen, Konzertbesucher oder Familien mit Kinderwagen. Unabhängig davon, ob sie geh- oder sehbeeinträchtigt oder Rollstuhlfahrer sind geschaffen werden.
Das Wettbewerbsgebiet umfasst den südlichen Kirchplatz, beginnend an der großen Treppe entlang des Langhauses bis zum Platzzugang am Geländesprung des höher gelegenen Chors.
Neben der barrierefreien Gestaltung von Eingang und Platz musste die Zufahrt der Feuerwehr und die Anliefermöglichkeit für Nutzer der Kirche und der Freilichtspiele an der großen Treppe bei der Planung berücksichtigt werden.
Konzept
Die Grundidee des Entwurfs war es, den Eingang für alle durch den Verzicht auf ein Bauwerk als barrierefreien Zugang und die harmonische Einbindung in den neugestalteten Vorplatz zurreichen.
Hierfür wurde der Vorplatz entlang des Langhauses leicht angehoben und dabei ebener gestaltet. So ergibt sich entlang der Kirchenfassade in Richtung Westen, vom Holzmarkt kommend, ein barrierefreier und rollstuhlgerechter Zugang. Durch die gefällefreie Zuwegung konnte in Abstimmung mit Genehmigungsbehörden und Behindertenverbänden, auf die üblicherweise bei Rampen geforderten Geländer und Randbegrenzungen verzichtet und so das zurückhaltende und nicht als „Rollstuhlfahrer Eingang“ klar erkennbare Erscheinungsbild geschaffen werden.
Dem Podest und dem ebenerdigen Zugang ist eine Treppe mit 4 Steigungen in Richtung Süden und Westen vorgelagert. Die Stufen der Treppe laufen nach Osten hin im neuen, deutlich ebeneren Gelände, aus.
Die neue Eingangssituation öffnet sich in alle drei Richtungen, aus denen Besucher an der Kirche ankommen.
Da der vorhandene Pflasterbelag neben dem Höhenunterschied die größte Barriere beim Zugang in die Kirche war wurde der gesamte Bereich mit einem ebenen und rollstuhlgerechten Belag versehen. Zur Komplettierung der Barrierefreiheit wurden ein intuitives Wege-Leit-System aus taktilen Elementen in den Belag eingefräst und die Tür mit einem automatischen Türantrieb ausgestattet.
Im Zuge der Abstimmung und Weiterentwicklung der Planung zusammen mit Kirchengemeinde, Förderverein und Stadtverwaltung wurde die Maßnahme über die gesamte Südseite der Kirche erweitert und die bereits vorhanden Planung für die Schaffung eines barrierefreien Zugangs zum Kirchenchor am Brauttor vom Architekten Georg Schuch in das Projekt integriert.
Materialität
Der unebene Vorplatz auf der Südseite, vom Brauttor bis zur westlich gelegenen kleinen Mauer der Kirche, musste komplett erneuert werden, um bereits diese Barriere, die der stark unebene Belag darstellt, zu eliminieren.
Als Material für Belag und Stufen wurde im Zuge der Weiterentwicklung der Planung Muschelkalk als regionales und für die historischen Altstadt typischen Material gewählt. Hierbei wurde in Teilen der alte ebenfalls aus Muschelkalk bestehende Belag bei der Neuverlegung wieder wiederverwendet.
Der Handlauf der neuen Treppe orientiert sich in der Ausführung an den schlichten Eisenkonstruktionen des Bestandes und wurde entlang des dritten Kirchenpfeilers angebracht. Die zurückhaltende und harmonische Eingliederung der Umgestaltung wird so auch durch die Materialwahl bei der Erneuerung unterstrichen.
Barrierefreier/rollstuhlgerechter Zugang zur Kirche St. Michael, Schwäbisch Hall
Baujahr: 2023
Bauherr: Ev. Gesamtkirchengemeinde Schwäbisch Hall
